Welche autonomen Fahrzeuge gibt es bereits im Level 2+, 3, 4 und 5?

Welche autonomen Fahrzeuge gibt es bereits im Level 2+, 3, 4 und 5?
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Welche autonomen Fahrzeuge gibt es?

In diesem Beitrag soll es um konkrete Beispiele von Fahrzeugen, Systemen und Herstellern gehen, die das Level 2 des autonomen Fahrens bereits hinter sich gelassen haben. Es sind einige, aber nicht so viele wie man denkt.

Der Übergang vom Level 2 zum Level 3 des autonomen Fahrens – oder auch: vom teilautomatisierten zum hochautomatisierten Fahren – stellt einen Umbruch in der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge dar, weil ein Fahrzeug ab diesem Zeitpunkt tatsächlich eigenständig fährt, ohne dass Fahrer:innen den Prozess überwachen müssen.
Level 3 des autonomen Fahrens ermöglicht es dem Auto also, in vielen Situationen selbstständig zu agieren. Während es bereits einige Fahrzeuge mit standardmäßigen Assistenzsystemen im Level 1 sowie grundlegenden Funktionen im Level 2 gibt, ist das automatisierte Fahren im Level 2+ und 3 noch nicht besonders weit verbreitet. Das liegt inzwischen nicht mehr nur an den technischen Möglichkeiten, denn auch andere Herausforderungen müssen beim autonomen Fahren noch bewältigt werden.
In diesem Beitrag soll es um konkrete Beispiele von Fahrzeugen, Systemen und Herstellern gehen, die das Level 2 des autonomen Fahrens bereits hinter sich gelassen haben, also um die Frage: Welche autonomen Fahrzeuge gibt es bereits im Level 2+, 3, 4 und 5?

Level 2+

Im oberen Bereich des teilautomatisierten Fahrens bewegen sich immer mehr Autohersteller. Die Fähigkeiten der Fahrzeuge gehen dabei über grundlegende Funktionen im Level 2 hinaus.

Tesla: Autopilot, Enhanced Autopilot und Full Self-Driving

Tesla wird als Hersteller elektrischer, hochmoderner Fahrzeuge oft auch als Pionier des autonomen Fahrens gesehen. Mit den eigenen Fahrassistenzprogrammen, wie dem „Autopilot“, dem „Enhanced Autopilot“ (= EA) und dem „Full Self-Driving“ (= FSD) bietet Tesla bereits weit fortgeschrittene Systeme für Endkund:innen an.
Das FSD-System beispielsweise ermöglicht den Fahrenden automatisierte Spurwechsel, eine Spurhaltefunktion sowie eine Parkhilfe. Bald soll außerdem ein Lenkassistent für den Stadtverkehr verfügbar sein. Welche Funktionen letztendlich zugelassen sind, hängt aber davon ab, in welchem Land sich das Fahrzeug bewegt. Elon Musk, dem CEO des Unternehmens, zufolge komme Tesla technologisch dem autonomen Fahren in Level 4 und 5 immer näher, jedoch sind diese Spekulationen umstritten. Zugelassen sind Funktionen von Tesla im Straßenverkehr im Level 2 der SAE-Skala.

Ford: Blue Cruise

Ende 2023 hat die BlueCruise-Technologie von Ford nach der britischen Zulassung auch eine Zulassung des Kraftfahrtbundesamtes (= KBA) für deutsche Straßen bekommen. Die Technologie vom hohen Level 2 der SAE-Skala, die im elektrischen SUV-Modell Ford Mustang Mach-E erhältlich ist, kann als Abonnement im Fahrzeug aktiviert werden.
Das Assistenzsystem hat dabei eine Vielzahl von Funktionen: Es erfasst auf bis zu 130 km/h Fahrbahnmarkierungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen, reagiert auf veränderte Verkehrsbedingungen, regelt die Lenkung, beschleunigt, bremst und hält das Fahrzeug mit der intelligenten adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage in der Spur. Außerdem kann Blue Cruise den Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmer:innen halten und die Aufmerksamkeit der eigenen Fahrer:innen überwachen, wobei Ford nach eigenen Angaben mit Infrarotkameras arbeite. Diese moderne Sensorik trägt maßgeblich zur Sicherheit des Systems bei.

Toyota: Advanced Drive

Mit dem Fahrassistenzsystem „Advanced Drive“ von Toyota, das in Zusammenarbeit mit den Technologieunternehmen ZF und Mobileye entwickelt wurde, sind die Modelle Mirai und Lexus LS 500h zusätzlich ausstattbar. Das hochautomatisierte System hat neben Spurhaltefunktion und automatischem Abstandssystem auch eine Spurwechsel- und Überholfunktion.

Vinfast

Auch das vietnamesische Unternehmen Vinfast bietet seit 2022 Fahrassistenzsysteme im Level 2+ an. In Zusammenarbeit mit dem Technologieunternehmen ZF wurde das System entwickelt und ist in dem SUV-Modell VF7 erhältlich.

Level 3

Wann kommt autonomes Fahren im Level 3? Die Antwort ist: Jetzt. Momentan befindet sich die Automobilbranche im Umbruch vom Fahren im Level 2 zum Level 3, wobei die ersten Hersteller bereits Straßenzulassungen bekommen haben.
Zu den Automarken, die bereits Fahrassistenzsysteme mit Level 3 anbieten und entsprechende Zulassungen erhalten haben, gehören in Deutschland BMW mit dem „Personal Pilot“ und Mercedes-Benz mit dem „Drive Pilot“. Auch andere Hersteller wie z. B. Bosch und VW testen eigene L3-Systeme, die Verfügbarkeit dieser automatisierten Modi kann jedoch nach Land und Gesetzgebung variieren.
Dass der Sprung vom Level 2 zu Level 3 inzwischen eher rechtlicher anstatt technologischer Natur ist, zeigt das Beispiel von Audis Traffic Jam Pilot. Bereits 2017 hat Audi dieses System im Level 3 angekündigt, das in dem Modell Audi A8 zum Einsatz kommen sollte. Nachdem es jedoch Hindernisse bei der Zulassung gab, hat sich Audi schließlich gegen die Einführung der Technologie entschieden.

Mercedes: Drive Pilot

Mercedes-Benz ist seit vielen Jahren in der Forschung und Entwicklung vom autonomen Fahren tätig. Im Laufe der Jahre hat der Autohersteller seine Forschung und Entwicklung im Bereich automatisiertes Fahren weiter verstärkt und sich zu einem der führenden Akteure auf dem Gebiet entwickelt. Bereits seit Jahren bietet der Hersteller ein Fahrassistenzsystem im Level 2 serienmäßig für seine Fahrzeuge an.
Bereits Ende 2021 wurde der Drive Pilot von Mercedes-Benz als L3-Assistenzsystem für bis zu ca. 60 km/h vom KBA in Deutschland zugelassen. Als weltweit erstes Unternehmen bekam der Hersteller dann 2023 auch die Genehmigung in Kalifornien, ein Meilenstein der automatisierten Technologie für Privatfahrzeuge.
Dieses System, der Drive Pilot, ist in einigen Modellen der S-Klasse sowie der vollelektrischen EQS-Serie auch in Deutschland bestellbar. Nach Angaben von Mercedes-Benz ist das L3-System auf über 13.000 Streckenkilometern deutscher Straßen einsetzbar.

BMW: Personal Pilot

Bei Fahrten auf Autobahnen von bis zu 60 km/h können sich Fahrer:innen des 7er BMW künftig auf andere Tätigkeiten wie Videostreaming, Telefonate oder Mails konzentrieren. Das ermöglicht das L3-System Personal Pilot von BMW, das ab dem Frühjahr 2024 in Deutschland für einen Aufpreis von 6.000 Euro verfügbar sein soll. Um das automatisierte Fahren sicher anbieten zu können, setzt BMW auf moderne Sensorik, sodass der Personal Pilot auch bei Dunkelheit funktioniert.

Level 4 und 5

Derzeit sind bereits verschiedene Pilotprojekte mit Fahrzeugen im Level 4 in Arbeit. In Deutschland gibt es dafür zwar noch keine serienmäßigen Straßenzulassungen, in den USA fahren aber bereits Robotaxis von Waymo und Cruise im Verkehr verschiedener Städte. Die On-Demand-Services sind weitgehend selbstfahrend und entsprechen dem Level 4 der SAE-Skala.
Wann kommt autonomes Fahren im Level 4? Markus Schäfer, der Chief Technology Officer von Mercedes, hält das Erreichen der automatisierten Fahrstufe 4 bis zum Ende des Jahrzehnts für erreichbar. Die Prognosen, wann diese vollautomatisierten Fahrzeuge die ersten Zulassungen erhalten und sich weiter verbreiten, gehen jedoch weit auseinander.
Ähnlich verhält es sich mit dem noch fortgeschritteneren Level 5, das bisher nur in der Theorie existiert. Daran, ob es autonomes Fahren im Level 5 jemals geben wird oder geben kann, gibt es sogar Zweifel innerhalb der Automobilbranche.
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