Wie lange wird der Umstieg zum autonomen Fahren dauern?

Wie lange wird der Umstieg zum autonomen Fahren dauern?
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Wann findet der Umstieg auf autonomes Fahren statt?

In jedem Fall ist klar, dass der Übergang zum autonomen Fahren ein schrittweiser Prozess sein wird, der von technologischen Fortschritten, regulatorischen Entwicklungen, öffentlicher Akzeptanz und der Bereitschaft der Gesellschaft, sich anzupassen, abhängt. Während die Zukunft des autonomen Fahrens vielversprechend ist, bleibt die genaue Zeitachse für diesen Wandel weiterhin ungewiss.

Autonomes Fahren hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und wird oft als die Zukunft der Mobilität betrachtet. Doch wie lange wird es tatsächlich dauern, bis autonome Fahrzeuge den Straßenverkehr dominieren? Diese Frage ist komplex und hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab.

Automatisiert vs. autonom

Zunächst einmal hängt die Frage, wie lange der Umstieg zum autonomen Fahren dauern wird, maßgeblich von den Begrifflichkeiten ab, denn autonomes Fahren ist nicht gleich autonomes Fahren. Um verschiedene Stufen der Technologie kategorisieren zu können, gibt es die sogenannten SAE-Level der Society of Automotive Engineers von Level 0 (nicht automatisiert) bis Level 5 (autonom).

Während es hochautomatisierte Fahrzeuge bis zum Level 4 bereits gibt, ist das vollautonome Fahren im Level 5 noch nicht erreicht worden. Die Entwicklung vollständig autonomer Fahrzeuge, die ohne menschliche Eingriffe sicher auf den Straßen operieren können, ist noch in vollem Gange. Ob es autonomes Fahren der höchsten Stufe jedoch überhaupt geben kann, daran haben sogar Vertreter:innen der Automobilbranche Zweifel.

Herausforderungen: Technologie, Gesetzgebung und öffentliche Akzeptanz

Es gibt einige Hauptfaktoren für den Übergang zum autonomen Fahren, darunter die Technologie, die Gesetzgebung sowie die Einstellung der Gesellschaft. In all diesen Bereichen wurden in Deutschland, Europa und darüber hinaus in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht, ob bei Sensoren und künstlicher Intelligenz, bei Infrastruktur und Vernetzung, bei rechtlichen Rahmenbedingungen, Haftungsfragen sowie Datenschutz oder bei der öffentlichen Akzeptanz und dem Vertrauen der Menschen in die neuen Technologien.

Trotz dieser Fortschritte gibt es in allen Bereichen noch offene Fragen und Herausforderungen, die in Zukunft gelöst werden müssen, um den Weg zum selbstfahrenden Verkehr zu ebnen. Dazu gehören beispielsweise Kosten für Wartung und Instandhaltung von autonomen Fahrzeugen sowie ihrer Infrastruktur:

"Während die Technologie, die dahintersteckt, immer erschwinglicher wird, sind die Kosten für den Aufbau und die Instandhaltung der Infrastruktur, die zu ihrer Unterstützung benötigt wird, immer noch hoch und komplex. […] Darüber hinaus sind erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung erforderlich, um sicherzustellen, dass sich die Technologie im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verbessert.“

Zeitrahmen für den Umstieg

Angesichts all dieser Faktoren ist es schwierig, einen genauen Zeitrahmen für den Übergang zum autonomen Fahren festzulegen. Einige Expert:innen prognostizieren, dass vollständig autonome Fahrzeuge im Level 5 innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre auf den Straßen erscheinen könnten, während andere davon ausgehen, dass es noch länger dauern könnte – oder, wie bereits erwähnt, eben vielleicht gar nicht passieren wird. Zu diesen Personen gehören u. a. Gabriel Seiberth, der Managing Director bei dem IT-Unternehmen Accenture, sowie der Stellantis-Chef Carlos Tavares oder der CEO von Valeo, Christophe Périllat.

Außerdem, von den inhärenten Herausforderungen einmal abgesehen, können externe Einflüsse wie geopolitische Ereignisse die Entwicklung der Technologie maßgeblich beeinflussen, was derzeit noch nicht abzusehen ist. Dazu gehören derzeit beispielsweise der Krieg zwischen der Ukraine und Russland sowie die Blockade des Suezkanals durch Huthi-Rebellen.

Selbst, wenn das autonome Fahren im Level 5 nicht erreichbar sein sollte, wäre es allerdings falsch, der Technologie ihr Potenzial zur grundlegenden Veränderung des Verkehrs abzusprechen, denn schon jetzt ist sie in unserem Alltag angekommen. Kaum noch wegzudenken aus dem Straßenverkehr sind Fahrassistenzsysteme wie Tempomaten, Spurhalte- und Abstandsassistenten oder Einparkhilfen, allesamt Automatisierungen und damit Vorstufen des autonomen Fahrens.

Studien und Prognosen

Ob Beratungsunternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen, Industrie, Regierungs- oder Nichtregierungsorganisation: Alle beschäftigen sich mit dem autonomen Fahren. Zu der Frage, wie lange der Umstieg auf autonomes Fahren dauern wird, gibt es daher verschiedene Studien und Prognosen, die jedoch stark variieren.

GlobalData: L5-Fahrzeuge ab 2031

Das britische Beratungsunternehmen GlobalData veröffentlichte Daten im vergangenen Jahr, die den Marktanteil von autonomen Fahrzeugen nach Automatisierungslevel sowohl für die vergangenen Jahre analysieren als auch für die kommenden Jahre prognostizieren. So hatten L1-Fahrzeuge 2023 noch den größten Marktanteil, ab 2024 wird allerdings L2-Fahrzeugen eine immer weiter zunehmende Wichtigkeit beigemessen. Ab diesem Jahr werden außerdem erstmals L4-Fahrzeuge abgebildet, während autonome Fahrzeuge im Level 5 in diesen Daten frühestens ab 2031 auftauchen.

McKinsey: Milliarden-Branche bis 2035

Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2021 seien Verbraucher:innen interessiert an automatisierten Fahrfunktionen und sie seien bereit, dafür zu bezahlen. Diese wachsende Nachfrage könne auf dem PKW-Markt Milliarden an Einnahmen generieren, genau genommen zwischen umgerechnet 275 und 370 Milliarden Euro bis 2035.

Diese Zahlen wurden basierend auf dem Interesse der Verbraucher:innen und den heute auf dem Markt erhältlichen Lösungen berechnet. Autonome Fahrzeuge im Level 5 sind jedoch nicht mit einbezogen.

Prognose: 30 bis 45 Prozent L4-Funktionen bis 2050

Im Gegensatz zu den Daten von GlobalData und McKinsey fokussiert sich die Studie von Prognos auf die Entwicklung autonomer Fahrzeuge auf dem deutschen Markt. Dieser wird sich anders entwickeln als beispielsweise der US-amerikanische oder chinesische Markt, u. a. weil Kund:innen hierzulande sehr viel Wert auf die Sicherheit und die Prüfung der Fahrzeuge legen.

In der Prognos-Studie wurde berechnet, wie viele Fahrzeuge auf den Straßen bis 2050 mit einem Autobahn-, City- oder Tür-zu-Türpiloten ausgestattet sein werden, jeweils in einem optimistischen und einem pessimistischen Szenario. Der Autobahnpilot ist dabei ein L4-Assistenzsystem, was das Fahren auf Autobahnen völlig ohne Überwachung der fahrenden Person bewegen kann. Der City-Pilot steuert ein Fahrzeug im urbanen Gelände mit bis zu 50 km/h, während der Tür-zu-Tür-Pilot die weitreichendste Automatisierungsfunktion im Level 4 darstellt und Fahrzeuge im gesamten Straßennetz selbst fahren lässt. Die Stufe 5 und damit das autonome Fahren ohne Fahrer:in an Bord ist in der Studie nicht vorgesehen.

Ein Anteil aller genannten Automatisierungen von insgesamt 10 Prozent auf den deutschen Straßen wird nach dieser Studie im optimistischen Szenario ungefähr 2035, im pessimistischen Szenario ca. 2040 erreicht. Bis 2050 sieht das optimistische Szenario eine Bestandsdurchdringung aller automatisierten Funktionen von insgesamt knapp 45 Prozent vor, wovon Autobahnassistenten den größten Anteil ausmachen gefolgt vom City-Piloten und dem Tür-zu-Tür-Piloten als Schlusslicht. Das pessimistische Szenario zeigt 2050 insgesamt nur knapp 30 Prozent von automatisierten Funktionen im deutschen Straßenverkehr, wobei die Verhältnisse zwischen den untersuchten Automatisierungsfunktionen ähnlich verteilt sind.

Der Umstieg: Eine Frage der Zeit?

In jedem Fall ist klar, dass der Übergang zum autonomen Fahren ein schrittweiser Prozess sein wird, der von technologischen Fortschritten, regulatorischen Entwicklungen, öffentlicher Akzeptanz und der Bereitschaft der Gesellschaft, sich anzupassen, abhängt. Während die Zukunft des autonomen Fahrens vielversprechend ist, bleibt die genaue Zeitachse für diesen Wandel weiterhin ungewiss.

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