Wie denken Menschen weltweit über autonomes Fahren?

Wie denken Menschen weltweit über autonomes Fahren?
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Was denken Menschen über autonomes Fahren?

Die globalen Einstellungen zum autonomen Fahren sind vielfältig und von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Während einige Menschen die Technologie enthusiastisch begrüßen und ihre Potenziale erkennen, bleiben andere skeptisch oder sogar ablehnend aufgrund von Sicherheitsbedenken und kulturellen Unterschieden.

Die Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens versprechen eine Mobilität der Zukunft mit zahlreichen Vorteilen. Trotz der schnellen technologischen Fortschritte und Neuerungen in der Gesetzgebung gibt es nach wie vor Herausforderungen bei der Umsetzung der neuen Technologien. Dazu zählen auch die gesellschaftliche Akzeptanz und Einstellungen der Menschen.

In diesem Artikel geht es um die Frage: Wie denken Menschen weltweit über autonomes Fahren? Mit Hilfe von Umfrageergebnissen und Studien sollen dabei drei globale Zentren der Entwicklung beleuchtet werden: die USA, Europa und Asien. 

USA: Faszination und Skepsis

In den Vereinigten Staaten zeigt sich eine vielschichtige Haltung der Bürger:innen gegenüber autonomem Fahren, denn einerseits wecken die technologischen Möglichkeiten Faszination und Neugier, andererseits besteht aber eine erhebliche Skepsis.

Skepsis überwiegt bei Umfrage

Laut einer Umfrage des Pew Research Centers, einem US-amerikanischen Think Tank, aus dem Jahr 2022 denkt die Mehrheit der Befragten, dass autonomes Fahren eine schlechte Idee ist. Auf die Frage unter US-amerikanischen Erwachsenen, wie sie weitverbreitetes autonomes Fahren sehen würden, antworteten 44 Prozent, dass es eine schlechte Idee für die Gesellschaft sei. 26 Prozent der Befragten sagten, dass sie es für eine gute Idee halten, 29 Prozent waren nicht sicher. Gleichzeitig gaben aber über zwei Drittel der Befragten an, dass ihrer Meinung nach das autonome Fahren die Anzahl an Unfällen vermindern oder zumindest nicht erhöhen würde. Nur 27 Prozent sagten, dass sich die Vorfälle mehren würden.

Die Skepsis resultiert oft aus Sicherheitsbedenken und der Unsicherheit, wie gut die Technologie im realen Verkehrsumfeld funktionieren wird. Besonders in den USA gibt es immer wieder Vorfälle, die den Menschen berechtigten Anlass zum Zweifel geben. Im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien beispielsweise gibt es bereits seit längerer Zeit selbstfahrende Shuttle-Services, sogenannte Robotaxis, von verschiedenen Anbietern. Bei Waymo und Cruise gab es dabei in der Vergangenheit immer wieder Aus- und Zwischenfälle.

Auch der US-amerikanische Hersteller Tesla, der für Elektroautos und seine Fahrassistenzsysteme im SAE-Level 2 bekannt ist, sorgt immer wieder für Aufsehen. So ist es dem Unternehmen in den USA erlaubt, Aktualisierungen des Fahrassistenzsystems im Realbetrieb zu testen. Die Beta-Versionen werden also direkt drahtlos über OTA (= Over the Air) Updates auf im Betrieb befindliche Fahrzeuge von Kund:innen übertragen. In der Vergangenheit gab es auch bei Tesla zahlreiche Unfälle.

Damit haben US-amerikanische Bürger:innen immer wieder Negativbeispiele der Technologie vor Augen, nichtsdestotrotz sind die USA jedoch ein Entwicklungszentrum und das autonome Fahren hat dort gute Aussichten, denn die Zustimmungswerte dürfen sich in Zukunft verändern.

Ist die Zustimmung eine Generationenfrage?

Das Pew Research Center hat in den Umfragen ebenfalls herausgefunden, dass es bestimmte Gruppen gibt, die dem autonomen Fahren mehr vertrauen als andere. Dazu gehören Menschen unter 50 Jahren, männliche Personen sowie Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss oder Menschen, die sich mit der Thematik nach eigenen Angaben intensiver auseinandergesetzt haben.

Während nur 37 Prozent aller Befragten mit einem autonomen Fahrzeug fahren wollen würden, waren 46 Prozent der männlichen Befragten sowie 51 Prozent der Menschen zwischen 18 und 29 Jahren dazu bereit. Außerdem gaben 47 Prozent der Personen mit einem weiterführenden Studium und 54 Prozent der Personen, die sich viel mit dem Thema beschäftigt haben, eine positive Einstellung dazu bekannt.

Neben dem Generationenunterschied sind die Zustimmungswerte zum autonomen Fahren laut den Ergebnissen des Pew Research Center vor allem von der Implementierung und Gesetzgebung abhängig. Dazu gaben 55 Prozent der Befragten an, dass sie befürchteten, die amerikanische Gesetzgebung würde hinsichtlich der neuen Technologien nicht genug regulieren. Gleichzeitig gaben 87 Prozent an, dass sie sich strengere Tests für autonome Fahrzeuge wünschten im Vergleich zu regulären Autos.

Europa: Safety first

In Europa spiegelt sich eine ähnlich zwiespältige Haltung wider. Die Begeisterung für autonomes Fahren ist oft mit dem Vertrauen in die Technologie und dem Glauben an eine verbesserte Verkehrssicherheit verbunden. Gleichzeitig existieren Bedenken hinsichtlich des Verlusts von Kontrolle und der Ethik von Entscheidungen, die von autonomen Fahrzeugen getroffen werden können und müssen.

Eurobarometer - Schweden und Dänemark sind besonders progressiv

Von der Europäischen Kommission regelmäßig in Auftrag gegeben wird das sogenannte Eurobarometer, was durch Umfragen in der Bevölkerung Trends und Meinungen erforschen soll. Das Special Eurobarometer 496 aus dem Jahr 2019, was 2020 veröffentlicht wurde, erforschte dabei innerhalb der EU die Erwartungen und Vorbehalte zum Thema autonomes und vernetztes Fahren.

Dabei ist deutlich geworden, wie Menschen innerhalb der EU und innerhalb der einzelnen Mitgliedsstaaten selbstfahrenden Fahrzeugen gegenüber eingestellt sind. Während nur 22 Prozent der Befragten innerhalb der EU zu diesem Zeitpunkt angaben, dass sie sich in einem vollautomatisierten, selbstfahrenden Fahrzeug ohne Kontrollperson wohl oder sehr wohl fühlen würden und lediglich 19 Prozent ihr Kind in einem solchen mitfahren lassen würden, gaben zumindest 43 Prozent der Befragten an, dass sie Güter autonom transportieren würden. Tatsächlich hat das autonome Fahren im Güter- und Transportbereich große Chancen.

Im Ländervergleich zeigte sich, dass Befragte vor allem in Schweden und Dänemark daran interessiert sind, autonomes Fahren auf die Straßen zu bringen. In Schweden waren insgesamt 64 Prozent ganz oder teilweise dafür, während sich in Dänemark 61 Prozent positiv äußerten. Schlusslichter der Umfragen waren Spanien und Italien mit jeweils nur 38 Prozent.

PAsCAL - Effizienz, Sicherheit, Datenschutz und Nachhaltigkeit

Ebenfalls von der EU finanziert wurde das sogenannte Projekt PAsCAL, dessen Ergebnisse 2021 in der Fachzeitschrift „Transportation Research Part F: Psychology and Behaviour“ veröffentlicht wurden. Erfragt wurden dabei Einstellungen der Menschen zu den Themen Effizienz, Sicherheit, Datenschutz und Nachhaltigkeit bei autonomen Fahrzeugen.

Während dabei durchschnittlich positive Meinungen zu Verkehrssicherheit und Nachhaltigkeit geäußert wurden, zeigten sich die Befragten neutral bei der Effizienzerwartung und äußerten Bedenken zum Thema Datenschutz. Insgesamt mehr als 49 Prozent aller Befragten gingen von einer Verbesserung der Sicherheit aus und zwischen 48 und 57 Prozent erwarteten positive Effekte auf die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen. Nur wenige der Befragten gingen davon aus, dass sich der Datenschutz mit dem autonomen Fahren verbessert.

Überraschend seien die Ergebnisse der Studie, wenn man sie mit der Darstellung autonomer Fahrzeuge in den Medien vergleiche:

„Selbstfahrende Autos werden in Zeitungs- und Fernsehberichten meist positiv und sehr optimistisch konnotiert dargestellt. Diese positive Grundhaltung der Medien spiegelt sich nicht eindeutig in der Meinung der Menschen wider.“

Asien: Vertrauen in Technik

Asiatische Länder, insbesondere China und Japan, zeigen eine starke Technologiebegeisterung und Offenheit gegenüber dem autonomen Fahren. Dieser Enthusiasmus ist teilweise auf das Vertrauen in technologische Innovationen zurückzuführen und wird durch staatliche Initiativen zur Förderung autonomer Fahrzeuge verstärkt.

Laut einer Umfrage, die von der deutschen Online-Plattform Statista für Daten und Umfragen veröffentlicht wurde, gaben zwischen 2017 und 2019 jeweils zwischen 81 und 86 Prozent der Befragten an, dass sie eine positive Erfahrung erwarten, wenn sie mit autonomen Autos fahren. Aber auch diese Umfragewerte sind nicht in Stein gemeißelt. So analysierte eine Studie im Jahr 2023 das Verhalten von Nutzer:innen auf den chinesischen Social-Media-Plattformen TikTok und Sina Weibo einige Tage vor und nach einem Unfall autonomer Fahrzeuge des chinesischen Unternehmens Nio. Dabei sind die Zustimmungswerte deutlich gesunken.

Aus einer vergleichenden Umfragestudie aus den Jahren 2017 und 2018, in der die öffentliche Meinung zu autonomen Fahrzeugen in Japan, Großbritannien und Deutschland erforscht wurde, stellte sich Japan als vergleichsweise positiv und progressiv heraus. Bereits 2017 waren die Zustimmungsraten dort höher, als in den europäischen Vergleichsländern.

Zusammengefasst: Globale Perspektiven und Einstellungen

Die globalen Einstellungen zum autonomen Fahren sind vielfältig und von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Während einige Menschen die Technologie enthusiastisch begrüßen und ihre Potenziale erkennen, bleiben andere skeptisch oder sogar ablehnend aufgrund von Sicherheitsbedenken und kulturellen Unterschieden.

Bei einem Interview im vergangenen Jahr beschrieb Mario Herger das Fahrerlebnis mit selbstfahrenden Fahrzeugen wie folgt:

„In den vergangenen Monaten fuhr ich selbst mehr als 50-mal mit fahrerlosen Cruise Robotaxis in San Francisco. Dabei nahm ich immer Besucher aus Europa mit und die empfanden das wie ich: die erste Fahrminute ist man aufgeregt, weil es ungewöhnlich und neu ist, einen leeren Fahrersitz und das Lenkrad sich allein drehend zu sehen, doch dann wird es sehr rasch normal. Die Fahrt verläuft angenehm, die Passagiere nahmen es als völlig selbstverständlich hin und nach dem Aussteigen ist die Frage, ‚Warum haben wir das bei uns noch nicht?‘“

Ist also alles nur eine Frage der Einstellung und der Gewöhnung? Klar ist: Die Entwicklung und Einführung autonomer Fahrzeuge werden nicht nur technologische und rechtliche Herausforderungen mit sich bringen, sondern auch die Notwendigkeit einer umfassenden gesellschaftlichen Diskussion.

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